Case Study 2

Organisationsentwicklungs-Tag für das Leitungsteam einer Abteilung mit der Reteaming-Methode

Die Anfrage: Der stellvertretende Leiter eines Jugendamtes fragt eine Organisationsberatung für das Leitungs-Team an, um auf die neuen Anforderungen von außen besser reagieren zu können. Es stehen Entwicklungen in verschiedenen Abteilungen des Amtes an sowie personelle Veränderungen.

Der Auftrag: Im Amt war die Leitungsstelle eine ganze Weile vakant. Der stellvertretende Leiter hat die Aufgaben der Amtsleitung mit übernommen, was für ihn sehr belastend war, da er in seinem eigenen Aufgabenbereich voll gefordert war. Jetzt ist die Leitung wieder besetzt und Leitung und Abteilungsleiter/-innen wünschen sich einen OE Tag, an dem sie ihre Fragen und Anliegen miteinander klären und die anstehenden Herausforderungen angehen können. Es gibt aus Sicht des stellvertretenden Amtsleiters mindestens 4 Themenkomplexe. Außerdem müssen Team und Leitung sich erst einmal neu finden. Es werden die Leitung und 4 Abteilungsleitende an dem OE-Tag teilnehmen.

Das Ziel: ist die Bearbeitung der Themen sowie neutrale Rückmeldung der Beraterin aus der Außensicht.

Hypothesen: Der Auftrag klingt gleichermaßen sachorientiert und unklar. Die Beraterin hat aus dem ersten Telefonat kein genaues Bild von der Situation und den Akteuren gewinnen können. Außerdem ist das Zeitbudget mit einem Tag recht knapp bemessen. Inhaltliches scheint ebenso wichtig wie ein Neu-Start auf der Teamebene. Die Quadratur des Kreises also!

Das Vorgehen: Für dieses eher unklare Anliegen mit dem Wunsch, auch auf der TeamEbene zueinander zu finden, bietet sich methodisch das lösungsfokussierte Konzept Reteaming an. Reteaming ist auch die Methode der Wahl, wenn es darum geht, unter Zeitdruck gute Ergebnisse zu erzielen. Reteaming ist ein Konzept, das versucht den lösungsorientierten Ansatz Steve de Shazers und Milton Eriksons auf Teams zu übertragen. Reteaming eignet sich speziell für Teams in schwierigen Change-Prozessen wie Fusionen, Reorganisationen usw.Reteaming ist gekennzeichnet von einem durchgängig wertschätzenden Umgang mit den Menschen und dem Kontext ihrer Organisation durch die Beratenden. Der Bearbeitung der Probleme wird bei diesem Ansatz weniger Aufmerksamkeit gewidmet als dem Suchen nach passenden und praktikablen Lösungen.

Vom Ablauf plant die Beraterin folgendes dramaturgische Vorgehen:

  1. Auftragsklärung in der Gruppe zur Frage: „Heute Abend möchte ich so nach Hause gehen....“

  2. Themen-Sammlung und Priorisierung mit der Moderations-Methode

  3. Bearbeitung von 1-3 priorisierten Themen mit Hilfe des Reteaming

  4. Weitere Maßnahmen und Schritte

Der Prozess: Die Beraterin kommt mit dem kleinen Team von Abteilungsleitenden und ihrer Amtsleitung erstaunlich schnell in einen guten Arbeitsprozess. Es stellt sich heraus, dass dieses Team bisher noch nie in dieser Konstellation zusammen war und einen Workshop für sich in Anspruch genommen hat. Vielmehr war die bisherige Arbeit stark vom Denken und Arbeiten in den einzelnen Abteilungen bestimmt. Da die Leitungskräfte erkannt haben, dass dies sehr anstrengend ist vor allem, wenn die Amtsleitung nicht besetzt ist möchten sie daran etwas ändern und auch zukünftig öfter in dieser Konstellation zusammen kommen. Wir einigen uns aus Zeitgründen auf drei Themen, die an diesem Tag vorrangig sind, und bearbeiten sie mit einem Reteaming. Dabei formuliert die Beraterin klassische systemischlösungsorientierte Reteaming-Fragen auf 3 Moderationswänden und bittet die Gruppe, die Fragen laut denkend zu beantworten. Die Antworten werden von der Beraterin auf den Wandzeitungen visualisiert.

Wir bearbeiten die 3 Themen mit folgenden Fragen:

  1. Was genau ist das Problem?

  2. Wie schlimm ist es?

  3. Welche Vorteile hat das Problem?

  4. Was ist der Preis für das Problem? (was kostet es uns, dass wir uns das Problem leisten?)

  5. Was wäre besser (= das Ziel)?

  6. Welchen Nutzen hätte das Ziel für uns? Was wäre anders, wenn wir das Ziel schon erreicht hätten?

  7. Erste Schritte in Richtung Ziel?

Die gemeinsame und sehr lösungsorientierte Arbeit an diesen Fragen schweißt das Leitungsteam enger zusammen. Gleichzeitig lösen sich viele Befürchtungen und gegenseitige Unterstellungen auf. Das Team ist begeistert von der Methode und beschließt, seine zukünftigen Sitzungen auch alleine mit Reteaming zu gestalten. Obwohl auf Grund der Kürze der Zeit viele Themen und Fragen offen bleiben müssen, ist es möglich, die drei wichtigsten Themenstellungen des Leitungsteams systematisch mit dem Reteaming durchzuarbeiten und zufriedenstellende Ergebnisse mit zu nehmen.

Evaluation und Teilnehmer-Stimmen zum Abschluss:

• besser auf dem Punkt jetzt, sortiert! Jetzt konkret Team gründen und festigen! Alle heiklen Punkte offen angegangen, war wichtig! Bin am Start mit Vision eines Ziels! Übergabe an TN 4 hat phänomenal geklappt! Klarer, wo unsere Zeiten hinfließen! • wichtige Impulse gesetzt! Überraschend! Gelungen! Andere Perspektive, eröffnet ganz Neues = sehr schön! • perplex mit Thema Übergabe, dass TN 1 das einfach so loslassen kann! Am Start mit der Vision eines Teams! Ausrichtung geklärt. Fand`s klasse! • besser sortiert! Neue Themen zu sortieren! Gut! Erste Schritte, richtige Richtung! Thema Übergabe: brauche noch mehrere Nächte zum Verarbeiten. Habe noch etwas Shiß, wenn Ihr beiden das macht! Andererseits gut! Mutig! Zufrieden & gut gelaunt!



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